Fokus: Echte Lernmomente trotz KI

KI liefert in Sekunden Antworten, schreibt Texte und löst komplexe Aufgaben. Gerade in der Berufsbildung wird dabei aber eine Frage immer lauter: Wenn die KI die Arbeit erledigt, was lernen unsere Lernenden dann noch selbst?

Impulsreferat im CV Labs

Maurice Wörnhard zum Thema KI in der Berufsbildung

Austausch in den Ateliers.

Mit dieser Frage beschäftigten wir uns an unserer Impulsveranstaltung «Wenn KI alles weiss, was müssen Lernende noch lernen?». Maurice Wörnhard zeigte in seinem Referat, worauf es ankommt, damit KI nicht zur Lernabkürzung wird, sondern Lernen weiterhin möglich bleibt.

Fünf Gedanken für Bildungsverantwortliche

1. KI darf helfen, aber nicht alles übernehmen.

KI kann ein Wörterbuch, eine Feedbackgeberin oder ein Sparringpartner sein. Sie kann Fragen stellen, Ideen strukturieren und neue Perspektiven eröffnen. Was sie jedoch niemals übernehmen sollte sind: das eigenständige Denken und die persönliche Reflexion der Lernenden.

2. Nicht nur das Ergebnis zählt.

Ein Auftrag ist erledigt, das Resultat sieht gut aus. Aber hat die lernende Person auch verstanden, was sie da produziert hat? Genau hier liegt die Herausforderung. Früher war ein gutes Ergebnis eine Zeugin eines erfolgreichen Lernprozesses, zumindest in den allermeisten Fällen. In Zeiten von KI gilt das längst nicht mehr. Berufsbildner:innen sollten sich deshalb überlegen, was Lernende bei einem Auftrag tatsächlich lernen sollen und welcher Teil des Denkens deshalb bei ihnen bleiben muss.

3. Gute Ergebnisse müssen hinterfragt werden.

KI kann überzeugend klingen und trotzdem falsch liegen. Lernende sollten deshalb erklären können, wie sie zu einem Ergebnis gekommen sind, warum es fachlich Sinn ergibt und was sie überprüft oder angepasst haben. Einfach übernehmen reicht nicht.

4. Mit vier Fragen wird Lernen sichtbar.

Manchmal braucht es gar nicht viel, um aus einem schnellen KI-Ergebnis einen echten Lernmoment zu machen. Diese vier Fragen helfen dabei:

  • Was ist das Ergebnis?
  • Wie bin ich vorgegangen und wofür habe ich KI genutzt?
  • Warum ist das Ergebnis fachlich vertretbar?
  • Was mache ich beim nächsten Mal anders oder besser?

So wird deutlich, ob Lernende eine Aufgabe einfach erledigt oder tatsächlich etwas dabei gelernt haben.

5. Wer KI gut nutzen will, muss sich auskennen.

Gute Prompts entstehen nicht einfach aus dem Nichts. Es braucht Fachwissen, um die richtigen Fragen zu stellen, relevante Informationen zu erkennen und Quellen kritisch zu beurteilen. Wer beispielsweise mit KI eine Excel-Formel erstellt, muss zumindest verstehen, was diese Formel bewirken soll, um das Ergebnis überprüfen zu können. Auch die Fähigkeit, Grenzen zu erkennen und bei Bedarf eine Fachperson beizuziehen, wird wichtiger.

Genau deshalb bleibt eine solide Grundbildung zentral. Sie schafft die Basis, um KI-Ergebnisse kritisch zu hinterfragen, Fehler zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen. KI-Kompetenz beginnt also nicht erst beim Prompten, sondern beim fachlichen Verständnis.

Was bedeutet das für die Berufsbildner?

Die gute Nachricht: Berufsbildner müssen nicht auf jede KI-Frage eine Antwort haben. Ihre Rolle verändert sich vielmehr hin zu Lernbegleiter, die Aufgaben bewusst gestalten, gemeinsam mit Lernenden ausprobieren und kritisches Denken fördern.

Denn wenn KI immer mehr Aufgaben übernehmen kann, wird es umso wichtiger, dass junge Berufsleute selbstständig urteilen, Entscheidungen begründen und Verantwortung übernehmen können.

Unser Fazit: KI darf vieles einfacher machen. Aber sie sollte und kann Lernenden niemals das Lernen abnehmen. Echte Lernmomente entstehen dort, wo sie selbst denken, kritisch hinterfragen, ausprobieren und aus ihren Erfahrungen lernen.